Zürichsee-Zeitung | Sihltaler | Samstag, 05. Februar 2005

Gewaltlos – aber nicht machtlos erziehen

Langnau: Informationsabend des Elternvereins stösst auf viel Interesse

Sinnlos und rechtswidrig sei es, sein Kind zu ohrfeigen – das ist die Kernbotschaft, die der Referent am Informationsabend des Elternvereins den gegen hundert Anwesenden mit klaren Argumenten zu belegen versuchte.

Brigitte Largier

«Und was soll ich machen, wenn mein Kind die Grenze, die ich ihm setze, einfach nie einhält», begehrte eine Mutter am Informationsabend des Elternvereins am Donnerstag zu wissen. Tatsächlich stossen Erziehende, Eltern oder Lehrpersonen oft an eigene Grenzen, wenn sie versuchen, ihre Vorstellungen und Wünsche gegenüber den Kindern durchzusetzen. Die Versuchung, in solchen Situationen Gewalt anzuwenden, ist gross.

Argumente gegen die Ohrfeige

Mit eindrücklichem statistischem Zahlenmaterial vermochte der Referent, Dr. Franz Ziegler, Psychologe und Mitarbeiter beim Kinderschutz Schweiz, anlässlich eines vom Elternverein Langnau durchgeführten Informationsabends am vergangenen Donnerstag den gegen hundert Anwesenden aufzuzeigen, dass Eltern auch heute ihre Kinder körperlich züchtigen, wenn sie sich mit erzieherischen Problemen konfrontiert sehen, das bedeutet, dass Eltern aus erzieherischen Gründen auch heute noch Gewalt anwenden.

Gemäss verschiedenen Studien seien 60 bis 80 Prozent der befragten Eltern der Ansicht, eine Ohrfeige zur rechten Zeit habe noch nie geschadet. Dass dies ein Trugschluss ist, begründete der Referent Franz Ziegler mit vier gewichtigen Gegenargumenten. So erweise sich eine Körperstrafe erfahrungsgemäss immer wieder als nutzlos – sie «bringt nichts» und ist daher pädagogisch sinnlos. Gewalt sei zudem ethisch-moralisch verwerflich und verstosse gegen fundamentale Menschen- und demzufolge auch Kinderrechte wie das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Schliesslich sei erwiesen, dass während der Kindheit erfahrene Gewalt zu lebenslangen psychischen und auch körperlichen Schäden führen könne.

Konsequent handeln

Im zweiten Teil seiner Ausführungen legte Franz Ziegler dar, dass den Eltern durchaus Alternativen zur Gewalt offen stehen, um schwierige Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen und ihre Kinder gewaltfrei zu erziehen. Das Stichwort heisst: «Grenzen setzen».

Und dieses Grenzensetzen verlangt von den Eltern Selbstdisziplin – mit andern Worten, wer Grenzen setzt, muss diese konsequent setzen, ohne willkürliche Ausnahmen. Denn Kinder müssen wissen, woran sie sind und was die Eltern und das Umfeld von ihnen erwarten. Sie brauchen einen Halt, ohne sich aber in ihrer Entfaltung einschränken zu müssen. Begegne der Erwachsene ihnen zudem mit Liebe und Respekt, so sei eine Basis geschaffen, um erfolgreich die Kinder gewaltfrei erziehen zu können.

Und wenn dennoch ein Kind die ihm vorgegebene Grenze missachte, müssten die Eltern dies «ahnden», sie müssten das Kind für sein «Vergehen» bestrafen, und zwar sofort in dem Moment, in dem das Kind sich regelwidrig verhalten hat. «Sofort strafen, wobei die gewählte Strafe angemessen und in einem direkten Zusammenhang mit dem Vergehen des Kindes stehen muss», so lautet etwa der Rat an die Eltern, wobei der Referent darlegte, wer seinen Kindern schon immer nachvollziehbare Grenzen gesetzt habe, werde seltener in die Situation kommen, diese verletzt zu sehen.

Mit der Aufforderung an das zahlreich erschienene Publikum, sich im Bemühen um eine gute Erziehung nicht tyrannisieren zu lassen und auch ein Stück Gelassenheit zu bewahren, schloss Franz Ziegler seine Ausführungen. Im Anschluss an eine kurze Erfrischungspause bestand schliesslich noch Gelegenheit, dem Referenten Fragen zu stellen und zu diskutieren.

 

www.stoppkindesmisshandlung.ch | Franz Ziegler | Langnaustrasse 9 | CH-3532 Zäziwil | Telefon 079 745 56 01
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