Tschöpfe-Scheffler, Sigrid (Hrsg.):

Perfekte Eltern und funktionierende Kinder? | Vom Mythos der ‚richtigen’ Erziehung

Verlag Barbara Budrich, Opladen, 2., durchgesehene Auflage, 2006.

Dass kaum ein halbes Jahr nach der ersten bereits die zweite Auflage dieses Buches vorliegt, kann damit zusammenhängen, dass das Buch einen ‚Eltern-Stärken-Test’ beinhaltet, der auch in der Zeitschrift GEO-Wissen erschienen ist. Dies allein genügt als Begründung für den Erfolg allerdings nicht. Die Publikation hat (auch) andere Stärken und schafft es, Theorie und Praxis mit einander zu verbinden bzw. Fach- und Forschungserkenntnisse so darzustellen, dass sie leicht verständlich sind, ohne die Komplexität des Themas zu sehr zu reduzieren.

In der Einleitung wird unmissverständlich klar gemacht, dass die Frage nach einer guten (geschweige denn richtigen) Erziehung nicht zu beantworten ist. Aber es gibt „... verschiedene Anhaltspunkte und Kriterien dafür, was eine entwicklungsfördernde Erziehung ausmacht“ (S.9).

Die Publikation geht von drei Grundsätzen aus:

Schwergewichtig behandeln die Autorinnen und Autoren entsprechend jene Aspekte, die für die Erziehung bzw. für die Kinder entwicklungsfördernd sind. Das Modell der „Fünf Säulen einer entwicklungsfördernden Erziehung“ wird vorgestellt und erläutert: 1) Wahrnehmende Liebe, 2) Achtung und Respekt, 3) Kooperation und Mitbestimmung, 4) Struktur und Verbindlichkeit sowie 5) Förderung. Dabei gilt: „Voraussetzungen für ein verantwortliches Leben mit Kinder sind die Wahrnehmung und Orientierung an den eigenen und kindlichen Fähigkeiten und Stärken, die elterliche Präsenz und die Wahrung der Erziehungsautorität sowie eine dialogische Beziehungsgestaltung“ (S.84). Wichtig und unerlässlich bleibt dabei die Wahrnehmung und Reflexion der eigenen Haltung, der eigenen Stärken und Schwächen.

Wenn sich alle ‚Erziehungsratgeber’ durch eine derartige Offenheit und trotzdem Klarheit auszeichnen würden, wären viele Eltern nach der Lektüre ebensolcher Ratgeber weniger verunsichert. Der ‚Eltern-Stärken-Test’ bietet zusammen mit den dazu gehörenden Erläuterungen eine nützliche Orientierungshilfe für die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und Stärken – und bildet auch eine logische Fortsetzung der früheren Publikationen der Erziehungswissenschaftlerin Sigrid Tschöpe-Scheffler (u.a.: „Elternkurse auf dem Prüfstand. Wie Erziehung wieder Freude macht“, 2003; „Konzepte der Elternbildung – eine kritische Übersicht“, 2004).

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